Homestory: Aus dem Leben eines „white man“ in Afrika

Heute will ich euch mal ein bisschen aus meinem alltäglichen Leben in Monrovia und vor allem meinem momentanen Zuhause erzählen. Da mir meine täglichen Malariatabletten sagen, dass ich jetzt schon über 8 Tage in Liberia bin, wird das auch langsam Zeit und ich gewöhn mich so langsam an manches.

Da es Wilfred sehr wichtig ist, dass es mir als Volontär gut geht, wenn ich schon so einen weiten Weg auf mich genommen habe, habe ich hier mein eigenes Zimmer. Wie das genau aussieht, drüber kann man sich anhand der Fotos wohl am besten einen Eindruck verschaffen. Kurz gesagt, ich habe meine eigene Matratze mit Moskitonetz und eine Schrank/Schreibtischkombination. Dann steht zwar auch noch ein Kühlschrank und ein Ventilator rum, die allerdings recht nutzlos sind, da wir keinen Strom haben. In Monrovia gibt’s nach dem Bürgerkrieg (oder der Krise wie Wilfred es oft nennt) noch kein Stromnetz, was bedeutet, dass man nur Strom hat, wenn man einen Generator besitzt. Oder man kann sich gegen ein monatliches Entgelt Strom vom Nachbarn holen. Allerdings gibt’s den dann sowieso nur zwischen 18 Uhr abends und 6 Uhr morgens und im Moment ist er noch zu teuer für uns. Aber da ich eine Lampe habe ist das eigentlich auch so in Ordnung – nur den Ventilator vermiss ich manchmal schon, aber das gehört halt dazu. Es ist schrecklich warm und schwül hier. Manchmal stell ich mich auch einfach ans offene Fenster, beobachte die Leute und hoffe auf wenigstens nen kleinen Windstoß.

Der Flur ist noch so leer wie am Anfang, als ich meinen kleinen Schock erlebt hab. Als ich gerade ankam, saßen Wilfreds Freundin und Cousine im Flur in einem komplett leeren Zimmer im Dunkeln auf dem Boden. Aber mittlerweile hat sich das ja alles geklärt und ich hab mich eingelebt.

Das Bad ist ein besonderes Highlight. Es gibt zwar ein Klo, aber kein fließendes Wasser. Deshalb steht eine große Tonne mit Wasser da, die man regelmäßig mit Wasser aus dem Brunnen auffüllen muss, der glücklicherweise nicht weit weg ist. Und so funktioniert dann auch die Toilettenspülung und die Dusche. Es gibt einen kleinen Eimer mit dem man das Wasser schöpfen und über seinen Kopf und Körper gießen kann. Und man kommt mit erstaunlich wenig Wasser aus! Da benötigt man oft beim Toilette spülen viel mehr – da sollte man mal ansetzen und mehr in wasserlose Toiletten investieren, wenn man Wasser sparen will.

Die Küche ist grad noch im Aufbau, aber wir essen außer beim Frühstück eigentlich immer bei Wilfreds Familie, die für uns mit kocht. Das ist auch immer schön. Wenn wir dann kommen, wird draußen der Tisch aufgestellt und das Essen gebracht und jedes Mal gibt’s was Neues. Meistens Reis und dann eine Soße, die normalerweise recht scharf und mit Fisch oder Hühnchen drin ist. Allerdings heißt Fisch hier nicht Fischstäbchen oder Fischfilet, sondern da ist einfach der ganze Fisch drin 😀 Aber das geht eigentlich ganz gut. Schwieriger ist da das Hühnchen, denn das ist immer zum Abnagen und meist mit nich soo viel Fleisch. Davon abgesehen gibt’s ja glücklicherweise die Soße, sodass man nicht so ganz genau sieht, was für Teile des Tieres das grad sind 😉 Aber um ehrlich zu sein: Das ist mir auch im Moment  recht egal, weil es einfach jedes Mal gut schmeckt. Dann gibt’s noch so besondere Sachen wie Fufu, das man nicht kauen, sondern nur schlucken darf und natürlich tolles Obst. Die Ananas, Orangen und Papaya schmecken frisch erwartungsgemäß um Klassen besser als importiert in Deutschland. Und seid sie wissen, dass ich frische Ananas gern mag, gibt’s das für mich auch ziemlich oft 🙂 Zum Trinken gibt’s hier eigentlich Wasser in kleinen Plastikbeuteln, aber da wir uns nicht sicher genug sind, wie gesund das für mich ist, bekomm ich immer Flaschenwasser.

 

Um zum Mittag- und Abendessen zu kommen, benutzen wir meist Wilfreds Auto. Das ist ein uralter – zumindest sieht er so aus – Toyota, an dem wahrscheinlich so einiges kaputt ist. Ich bin jedes Mal überrascht, wie wir damit den wilden Ritt durch Schlammpfützen, über Schotterwege und Erdhügel schaffen. Das würde man sonst wahrscheinlich nur mit nem richtigen Jeep versuchen, aber wir haben eben keine Wahl. Aber ein Radio mit EINER CD haben wir trotzdem 😉 Am Donnerstag durfte ich dann auch mal fahren und es ist schon ganz cool mit chilliger Musik durch die Gegend zu cruisen. Und vor allem ist es tatsächlich cool, wenn man den Fahrtwind spürt 😉

Zu guter Letzt will ich noch die kleine Oase mit dem Hauch von Luxus erwähnen: das Golden Key Restaurant hier in der Nähe. Dort bekommt man für 2$ ein kühles Getränk, eine Stunde Internet, Strom zum Notebook, Kamera und Co aufladen, fließendes Wasser und ein bisschen Entspannung  🙂

Das war mal ein kleiner Einblick in mein tägliches Leben hier. Vielleicht widme ich den Fortbewegungsmitteln mal irgendwann noch einen eigenen Beitrag. Wenn euch sonst noch was interessiert, dann schreibt mir doch einfach!

 

 

 

 

Ein Kommentar zu “Homestory: Aus dem Leben eines „white man“ in Afrika

  1. Hallo Fabi,
    schön von Dir zu lesen und sich einen Einblick zu verschaffen, wo Du Dich grad so rumtreibst.
    Sei ganz doll gesegnet und beschützt bei Deinen weiteren Erfahrungen und „Lehreinheiten“.
    Grüße
    Heike Zilly

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