Die zweite Woche – Workshop und Erholung

Dieses Mal hab ich mir ein bisschen mehr Zeit gelassen euch mal wieder was zu schreiben. Aber wie das eben ganz normal so ist, gewöhnt man sich so langsam an manches, besonders da ich einen recht geregelten Ablauf habe mit den täglichen Workshops. Deshalb muss ich euch jetzt auch nicht mehr jede Kleinigkeiten meines alltäglichen Lebens erzählen, weil sich daran nicht viel geändert hat.

Die Workshops laufen immer besser und die Lehrer tauen immer mehr auf. Mittlerweile haben wir auch 23 Lehrer, die regelmäßig da sind. Da wir seit Dienstag aber jeden Morgen um 9 Uhr anfangen, weiß ich jetzt auch was „Black Man Time“ bedeutet: Um 9 Uhr sind manchmal grad 5-10 Lehrer da und bis etwa halb 11 sind dann fast alle eingetrudelt 😉

Mittlerweile sind wir auch bei der Physik angekommen und haben uns ein bisschen mit Kinematik und Kräften beschäftigt. Heute zum Beispiel gabs mal wieder richtige experimentelle Physik: Wir haben die Erdbeschleunigung mit einem Fußball bestimmt. Die Lehrer waren voll bei der Sache und fanden die Stoppuhr und den Fußball ganz toll. So standen zum Teil 4-5 Leute um eine Stoppuhr rum, um die Fallzeit zu messen. Natürlich machen wir hier richtige Physik mit Fehlerabschätzung und Fehlerrechnung 😀

Außerhalb des eigentlichen Stoffes befassen wir uns natürlich auch mit den Unterschieden zwischen Deutschland und Liberia. Zum Beispiel werden hier keine Münzen verwendet sondern nur Scheine. Deshalb musste ich beim Münzwurf für die Wahrscheinlichkeitsrechnung dann auf meine einzige Münze, ein 2-Euro-Stück zurückgreifen, was dann natürlich interessanter war als die Mathematik und erstmal rumgereicht wurde.

Oder ein anderes Mal wollte ich sie nach der Pause wieder zusammenrufen, um weiterzumachen. Aber das Essen war erst mal wichtiger. Natürlich wollten sie mir dann auch einen typischen afrikanischen Snack zeigen und haben mir das zum Probieren gegeben. Als ich dann hochgeschaute, waren plötzlich mindestens 5 Handys und Kameras auf mich gerichtet und einige wollten mit mir posen. Aber da darf ich ja nix sagen, mach ich ja auch nicht anders. Auf jeden Fall haben sie großen Spaß daran mir die afrikanischen Köstlichkeiten zu zeigen 🙂

Darüber hinaus kommt natürlich immer mal wieder die fundamentale Frage auf, ob man als Wissenschaftler auch Interesse an Frauen hat oder welche Fußballmannschaft ich bevorzuge. Und heute als ich gerade über die Relativitätstheorie sprach, fragt einer unvermittelt: Ist das für dich kein Problem an Gott zu glauben und Wissenschaftler zu sein? 😉 Auch darauf konnte ich antworten und sie waren zufrieden, dass ich damit kein Problem habe und die faszinierende Welt auch als Christ erforschen kann.

Alles in allem haben wir viel Spaß bei den Workshops und es wird immer angenehmer. Nur die Vorbereitung ist manchmal anstrengend, da ich jetzt weniger Zeit dafür habe und gleichzeitig mehr reden muss, aber das klappt auch.

Letztes Wochenende war dann auch mal ein bisschen Zeit zur Erholung. Wilfreds (Adoptiv-) Sohn war da und wir haben viel zusammengespielt. Er fand alle elektronischen Geräte toll: Den Taschenrechner, das Handy und natürlich vor allem den Foto. Ständig hieß es „Picture!“. Natürlich haben wir auch zusammen Fußball gespielt und es sind immer mehr Nachbarskinder dazugekommen bis sich ein Nachbar beschwert hat, weil der Ball über die frisch gewaschenen Laken gerollt ist. Schließlich ist ja Samstag Waschtag und dieses Mal wurden auch meine Sachen gewaschen.

Samstagnachmittags waren Wilfred und ich am Strand und es war einfach schön. Die Wellen und das Wasser sind eine willkommene Abkühlung und es hat sehr viel Spaß gemacht, sodass ich gleich beschlossen habe öfters zum Strand zu gehen (und es mittwochs auch nochmal umgesetzt habe). Leider haben viele hier – und auch Wilfred – Angst vor dem Wasser und können nicht schwimmen. Wilfred findet den Strand aber trotzdem gut wegen dem kühlen Wind – und das kann ich komplett nachvollziehen. So war ich dann eben alleine im Wasser und er hat auf die Sachen aufgepasst und Fotos gemacht. Später haben wir auch noch ein paar Bilder zusammen gemacht und hatten viel Spaß dabei.

So das war meine Zusammenfassung der zweiten Woche. Gestern ist Martina angekommen. Sie ist eine Freundin der Familie und wir bei uns wohnen bis ich wieder nach Deutschland gehe. Sie studiert Biologie und ist etwa so alt wie ich, sodass wir hoffentlich noch ne gute Zeit haben werden. Wilfred hat sie gleich mal als „tourist manager“ für mich eingestellt 😉

Insgesamt muss ich sagen, dass es mir hier immer besser gefällt und ich jetzt schon wehmütig werde, wenn ich dran denke, dass am Sonntag schon die Hälfte meiner Zeit hier rum ist.

Vielleicht hab ich mal noch Zeit ein bisschen mehr über Liberia zu erzählen. Ansonsten wird’s hoffentlich spätestens in einer Woche wieder einen Rückblick geben. Wer konkrete Fragen hat, darf mir natürlich auch gern mailen. Einen gaaanz herzlichen Dank an alle Spender, wir haben uns sehr gefreut, was schon alles zusammen kam. Danke!

Also macht’s gut und bis bald mal wieder!

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