Kirche, Familie, Freizeit – Oder: Das ganz normale Leben

So jetzt melde ich mich auch mal wieder aus Monrovia. Dieses Mal will ich euch nichts von den Workshops erzählen, sondern wieder ein bisschen vom ganz normalen Leben hier. Zwei Sätze zu den Workshops dann doch: Der erste Workshop läuft gut und wird morgen zu Ende gehen, dann gibt’s nochmal ein Fazit und ein paar Fotos. Der zweite Workshop, den wir in Tubmanburg (etwa 1-1,5h von Monrovia entfernt) geplant hatten fällt aus und wir schauen gerade nach einer Alternative hier in der Nähe.

Bei uns zu Hause ist mittlerweile auch noch mehr Leben in der Bude. Letzten Donnerstag kam Martina an. Sie studiert Biologie und wohnt jetzt für ein paar Wochen bei uns (länger als ich noch hier bin). Außerdem kocht sie meistens für uns und „beschützt“ mich, wenn ich irgendwo hingehen will. Wilfred legt Wert darauf, dass ich nicht allein unterwegs bin, weil er will, dass mir auf keinen Fall was passiert und ich das Projekt nicht mehr weiterempfehle. Das kann ich hiermit übrigens gleich mal tun. Es macht sehr viel Spaß hier und man ist gut versorgt. Also wenn jemand von euch Lust, Zeit und ein bisschen Geld hat und in Bildung investieren möchte, kann er gern mein Nachfolger werden. Es lohnt sich, wenn man gerne auch mitdenkt und mitplant und keinen fertigen All-inclusive-Einsatz erwartet.

Ansonsten haben wir seit letztem Wochenende auch noch Blessing zu Besuch. Das ist übrigens ein Name hier  – genauso wie Prosper (für alle nicht Englischsprachigen übersetz ich das mal: „Blessing“ – Segen; „prosper“ – wachsen, blühen). Prosper ist 5 Jahre alt und Wilfreds (Adoptiv-)Sohn und Blessing ist etwas älter und er kennt sie aus Ghana. Zumindest hatten sie jetzt beide nen Spielgefährten und waren meist zufrieden. Und wenn nicht, dann musste halt ich herhalten und mit ihnen spielen 😉 Außerdem wohnen noch Wilfreds Freundin Eunice und eine  Cousine Wilfreds (glaub ich zumindest) bei uns. Tagsüber ist dann auch noch der Sohn der Nachbarn da.

Somit ist hier immer was los in unserer kleinen Familie und es macht einfach Spaß, wenn morgens beim Aufstehen und Frühstücken schon jemand da ist. Und wenn ich dann mittags vom Workshop heimkomme, ist eigentlich auch immer was los. Da wir seit dem Wochenende auch einen Tisch mit Stühlen und Sofas und Sessel haben, muss man sich nur noch ins Wohnzimmer setzen und trifft immer jemanden. Das gefällt mir jetzt noch besser als am Anfang!

Am Samstag hat mich dann Martina gleich mal in ihren Gottesdienst mitgenommen. Das ist die „Seventh Day Adventist Church“ und die feiern ihren Gottesdienst am Sabbat, also am Samstag. Also sind wir morgens um halb 9 in die Stadt zur Kirche gefahren. Die Kirche ist größenmäßig etwa eine „normale“ Kirche, wie ich sie in Deutschland kennen gelernt habe – also keine große Stadtkirche, sondern so etwa wie in Remchingen. Vor dem eigentlichen Gottesdienst gibt es die „Sabbat School“, d.h. eine Stunde Bibelstudium. Die Einleitung ist für alle und danach redet man in kleinen Gruppen von 5-8 Personen mit einem Lehrer über das Thema und liest in der Bibel. Das hat mir recht gut gefallen – sowohl das Prinzip, als auch was unser Lehrer so konkret gesagt hat. Nur leider war es auf eine Stunde festgelegt, was man leider am Ende dann auch gemerkt hat. Danach fing dann der Gottesdienst an und ich muss sagen, ich hatte mir einen Gottesdienst in Afrika doch anders vorgestellt – insbesondere deutlich anders als in Deutschland. Aber in dieser Kirche war das doch recht ähnlich – gefühlt irgendwo zwischen einem katholischen und einem evangelisch landeskirchlichen Gottesdienst in Deutschland (zumindest so wie ich das bisher erlebt habe). Es gab einen klaren Ablauf und alles wurde auch mit einem Beamer an die Wand geworfen. Die Lieder waren natürlich andere und es gab einen Chor und alle haben laut mitgesungen. Die Predigt war etwa genauso lang oder kurz wie in der Landeskirche – also etwa 20min. Die Pastoren und die Predigerin saßen vorne auf einer Bühne etwa 1,5m über dem Rest und am Ende wurden alle Reihe für Reihe nach draußen dirigiert.

Insgesamt war das alles ähnlich wie in Deutschland und sehr geordnet und geregelt. Eigentlich hätte ich etwas mehr Tanz und Action erwartet. Deshalb hab ich gleich mal Wilfred bequatscht, dass wir sonntags noch zu einem anderen Gottesdienst gehen. Da er hier in Monrovia noch keine feste Gemeinde hat, sind wir einfach mal zur der auf der anderen Seite unserer Straße gegangen.

Das war dann mehr der afrikanische Gottesdienst, den ich erwartet hatte. Der Raum war deutlich kleiner und es war ein normaler Raum, kein Kirchengebäude. Auch hier gab es vor dem eigentlichen Gottesdienst eine „Sunday School“, in der ein Prediger aus der Bibel gelehrt hat, dieses Mal aber deutlich kürzer als eine Stunde.

Der eigentliche Gottesdienst ist dann vor allem eines: LAUT! Als Musikinstrumente gibt’s neben einem Keyboard und einem Schlagzeug extrem laute Rasseln, die eigentlich durchgehend benutzt werden. Während dem Lobpreis stehen meist alle und es wird wild geklatscht und getanzt. Am Anfang gibt’s ebenfalls zu Musik das Begrüßungsritual, bei dem alle durcheinander laufen und sich gegenseitig mit Handschlag begrüßen. Wenn man das nicht vorher weiß, sieht das ziemlich lustig aus: Wilfred und ich standen an unserem Platz und alle sind an uns vorbeigetanzt und haben uns ihre Hand entgegengestreckt 😀 Aber es hat Spaß gemacht, auch wenn ich beim Lobpreis nicht immer alles verstanden habe, was gesungen wurde. Zwischendrin gabs mehrere „Offerings“, also Opfer bzw. Spenden. Auch das hat seine eigenen Regeln. Nach und nach ist jede Reihe dran und man tanzt nach vorne, wo der Opferkasten steht, und danach wieder zurück auf seinen Platz.

Die Predigt des Pastors war hier etwas länger und der gesamte Gottesdienst ging auch etwa 2,5 Stunden. Seine Predigt über Hiob hat mir eigentlich gut gefallen. Ich hab nur nicht verstanden, warum er ein Mikrofon benutzt, wenn er sowieso meistens schreit. Aber jetzt weiß ich auch, warum ich den Gottesdienst immer gut beim Duschen verfolgen konnte 😀 Gegen Ende der Predigt wurden seine Sätze dann sogar mit dem Schlagzeug untermalt. Die Themen der Predigten sind hier übrigens auch ähnlich wie in Deutschland: Die Leute sollen nicht nur in die Kirche gehen, sondern rausgehen und in den Familien und dem Beruf ihren Glauben leben.

Nach der Predigt war das Abendmahl dran. Da der Pastor davon sprach, dass die Leute vorkommen sollten, die sich darauf vorbereitet haben, hab ich mir das Ganze Ma(h)l aus der Distanz angeschaut. Interessant war zu sehen, dass alle Frauen den Kopf beim Abendmahl bedeckt hatten.

Das war dann mehr der afrikanische Gottesdienst, wie ich ihn erwartet hatte. Was hier übrigens bei jedem Gottesdienst schön ist, sind die afrikanischen Kleider. Ich hab irgendwie das Gefühl, dass die nur sonntags benutzt werden. Eigentlich ist das ziemlich schade, weil sie alle schön bunt sind und gut aussehen. Aber so konnte ich wenigstens den Sonntag für ein paar Fotos nutzen 😉

Am Sonntagabend waren wir dann nochmal am Strand, weil die Kids unbedingt wollten. Dieses Mal ist selbst Wilfred mit ihnen ins Wasser gegangen, aber nur am sicheren Rand. Trotzdem hat es riesigen Spaß gemacht mit den Kids im Wasser rumzutollen. Auf dem Rückweg hat Wilfred ihnen dann noch ne Coke spendiert und damit war der Tag komplett gelungen. Das macht mich dann auch glücklich mit zwei strahlenden Kindern an der Hand an einem warmen Sommerabend heimzulaufen. So sieht ein gelungener Wochenabschluss aus!

Diese Woche hab ich dann noch eine weitere Beschäftigung gefunden: PLAYSTATION. Das ist fast wie FIFA spielen zuhause. Allerdings ist man hier noch mit einer PS II, einem Röhrenfernseher und Pro Evolution Soccer 2011-2012 glücklich. Das ganze steht in einer kleinen Hütte, nicht weit von unserem Haus entfernt, und wird wie etwa alles mit einem Generator betrieben. Deshalb muss man pro Spiel auch ein paar liberische Dollar (umgerechnet ein paar Cents) bezahlen. Trotzdem hats riesigen Spaß gemacht und die Jungs dort hatten dann auch Freude dran Fotos von uns zu schießen 😉

Ich hab Deutschland mit einem 2:1 gegen Spanien gut verteidigt! Danach wollten wir unsere Lieblingsclubs spielen, aber es gab kein Dortmund. FRECHHEIT! Also musste ich Real Madrid nehmen um den Clásico perfekt zu machen.

So das wars mal wieder von mir. Ihr seht, hier gibt es auch außerhalb der Workshop einiges, womit man seine Zeit verbringen kann: Gottesdienste, Spielen mit den Kindern, Strand, Playstation (um das gleich zu sagen: Bisher hab ich genau 2! Spiele gespielt 😉 ) …

Nächstes Mal werde ich dann wieder vom Abschluss des ersten dreiwöchigen Workshops berichten und dann ists auch leider nicht mehr viel Zeit hier.

Bis dahin! Machts gut!

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