Der erste Workshop ist zu Ende – Ein Resümee

Gestern ging unser erster Workshop zu Ende und ich möchte noch einmal auf diese dritte Workshop-Woche zurückblicken und eine kleine Zwischenbilanz ziehen.

Angefangen hat die Woche  gleich mit einer positiven Nachricht für die Lehrer: Diese Woche hat Wilfreds Schwester um die Verpflegung gekümmert! Die letzten beiden Wochen mussten wir eine andere Frau engagieren – was sich dann Catering-Service nennt, was man aber nicht mit der deutschen Assoziation gleichsetzen darf. Das ist hier einfach eine Frau, die für alle kocht und dann einen Topf mit Reis und einen mit Soße zum Veranstaltungsort bringt. Die Lehrer waren mit ihr bisher nicht so zufrieden, vor allem waren ihnen die Portionen immer zu klein. Umso größer war die Freude dann am Montag. Alle haben genug bekommen und waren restlos zufrieden.

Mittwochs durfte ich dann in der Pause nochmal liberianisches Essen kosten. Es gab mal wieder Garri und auch dieses Mal hatten alle ihren Spaß und waren zufrieden damit, dass ich ihre Köstlichkeiten zu schätzen weiß.

Abgesehen vom Essen haben wir uns thematisch mit Optik beschäftigt und leider hatten wir mal wieder keine Mittel für praktische Experimente, auch weil ich nicht damit gerechnet hatte, dass wir so viele Themen behandeln können. Doch genau das fehlt den Lehrern hier am meisten, wie ich wieder einmal feststellen musste. Es ist eben doch was anderes, wenn man mal im Physikunterricht die Abbildungsgleichung einer Linse praktisch getestet hat oder wenn man das nur theoretisch erzählt bekommt. Besonders im Bereich der Experimente gibt es noch viel zu tun in Liberia, es fehlen meist selbst die einfachsten Dinge, wie ein paar Spiegel, Linsen und eine Lichtquelle.

Doch ich durfte auch noch erleben, wie falsch das laufen kann: Mittwochs hat mich einer der Lehrer, Victor, gebeten seine Schule zu besuchen, weil sie in ihrem Labor einige Beschreibungen auf Deutsch haben, die sie nicht lesen können. Also bin ich nach dem Workshop mit ihm zu seiner Schule. Erst hab ich daran gezweifelt, dass das eine Schule ist, weil es mehr wie eine Ruine aussieht. Leider ist das hier noch bei vielen Häusern so und man sieht deutlich, dass sich das Land noch im Aufbau nach dem Bürgerkrieg befindet. Doch in dem Gebäude waren tatsächlich Menschen und die waren erst mal gar nicht freundlich und sind gleich angerannt gekommen, wie ich mir erlauben kann ein Foto zu machen. Als dann klar war, dass ich eigentlich mit einem anderen Ziel gekommen bin, hat sich die Lage auch recht schnell beruhigt und wir konnten in das Labor.

Doch was ich dort zu sehen bekam, hat mich als Physiker gefreut, aber als Mensch traurig und ärgerlich gemacht. Das Labor war ein Raum vollgestopft mit diversen Kisten, in denen die unterschiedlichsten Experimentiermaterialien verstaubten. Und darunter war so einiges: ein menschliches Skelett, Zentrifugen, Magnete, Chemieausrüstung, Bunsenbrenner und noch vieles mehr. Als Naturwissenschaftler ist das natürlich wie ein Spielplatz 😉 Und da war auch wirklich gutes Zeug dabei, auch die PHYWE-Sachen, die wir auch in der Schule hatten.

Allerdings frag ich mich ernsthaft, ob derjenige, der das der Schule gespendet hat, auch nur ansatzweise einen Gedanken an den Nutzen verschwendet hat. Was sollen sie zum Beispiel mit einem halben Dutzend Bunsenbrenner anfangen ohne Gas? Oder mit einer kompletten Chemie-Ausrüstung ohne Chemikalien? Und auch die beste Zentrifuge nützt nichts ohne Strom! Genauso wenig wie ein komplettes Mikroskopierset ohne Mikroskop! Ein Highlight war dann noch die Sammlung präparierter Mikroskopierobjekte, die komplett auf Deutsch beschriftet war.

Im Endeffekt bedeutet das, dass sie gutes Material dort haben, aber so wahllos zusammengestellt, dass man fast nichts davon tatsächlich benutzen kann. Das macht mich dann schon ärgerlich, wenn scheinbar irgendjemand auf die Idee kommt, dass man dem armen Land doch mal helfen muss, aber keinen Gedanken daran verschwendet, was denn überhaupt hilfreich sein könnte. Aber Hauptsache wir haben dem armen, armen Land ein bisschen „geholfen“. Das ist traurig!

(Übrigens gab es als Dankeschön dann einen gegrillten Fisch und ein Bier für mich – CHINESISCHES Bier 😀 Das wird hier fleißig importiert.)

Doch lasst mich wieder zu erfreulicherem Kommen: Unserem Workshop!

Am Donnerstag war das Internet Training angesetzt und ich durfte wieder einmal erleben, wie die Organisation hier laufen kann. Wir hatten eine Vereinbarung für einen Generator für den Strom und einen Beamer, den wir leihen wollten. Da Wilfred den Teil übernommen hat, wollte ich um halb 10 dann mal vorbeischauen wie es so läuft: Tatsache war aber, dass ich zur Überbrückung noch eine kurze spontane Optik-Zusammenfassung einschieben musste, weil kein Beamer und kein Wilfred da waren. Und der Generator war in einem Raum eingeschlossen und der Schlüssel nicht mehr verfügbar. Nach einer Weile konnte dann doch noch beides aufgetrieben werden und es ging los.

Und gestern war wie gesagt dann der Abschlusstag. Nach einer kurzen Physik-Einheit und einem weiteren Teil zu effektivem Lehren kam ein „Programme“, das die Lehrer vorbereitet hatte. Ich wusste nicht genau, was sie damit meinten und hab mich mal überraschen lassen, aber es war auf jeden Fall ein großer Spaß: Angefangen hat alles damit, dass einer der Lehrer ein Lied angestimmt hat und alle gemeinsam gesungen und geklatscht haben. Natürlich durfte auch das Anfangsgebet nicht fehlen. Danach gab es mehrere kurze Reden: von Wilfred über das Helping Hands Network, vom „Journalist“, dem einzigen der außer mir eine Digitalkamera besitzt und der voller Pathos weltbewegende Tage angekündigte. Dann kamen noch ein weiterer Lehrer und der Rektor der Schule zu Wort. Moderiert wurde alles von MC Obari 😉  Natürlich musste ich auch ein „special statement“ abgeben und durfte allen danken. Als ich zum Schluss unsere letzte ungeklärte Frage nach dem Zusammenhang zwischen Wissenschaftlern und Frauen erwähnte, war die Gaudi natürlich riesig 😀 Danach gab es die „Präsentation“ der Zertifikate, was bedeutete, dass ich jedem Lehrer sein Zertifikat überreichen durfte und von jedem ein Foto gemacht wurde  – so hab ich jetzt 23 Fotos von 23 glücklichen Lehrern mit einem Zertifikat und ihrem Physik- und Mathelehrer auf meiner Kamera 😉 Zum guten Abschluss gehört natürlich auch ein Gruppenfoto. Doch damit nicht genug: Viele Lehrer wollten ihr persönliches Foto mit mir. Also bin ich einfach im Dauergrinsemodus geblieben und hatte abwechselnd einen oder mehrere Lehrer um mich rum und zwei Fotos vor der Nase. Und obwohl ich es ihnen verboten habe, werden wohl bald einige davon ihren Weg auf Facebook finden 😀

Zwischenfazit:

Der erste Workshop ist nun beendet und damit auch die Hauptaufgabe. Nächste Woche werden wir noch eine weiteren einwöchigen Workshop durchführen. Allerdings ist eine Woche einfach zu kurz dafür und so ist das mehr ein kurzes Streiflicht auf verschiedene Themen.

Ich kann sagen, dass mir der Workshop sehr viel Freude gemacht hat und ich allen danke, die Anteil daran hatte: Wilfred und seiner Familie, Tilman, allen Lehrern und allen, die in Deutschland an mich gedacht haben oder mich im Vorfeld unterstützt haben – und natürlich insbesondere bin ich Gott dankbar.

Ich bin mir recht sicher, dass  manche der Themen für einige Lehrer eine echte Herausforderung waren und sie bestimmt einiges nicht verstanden haben und anwenden können. Es war ein stetiger Kompromiss, da das Level der einzelnen Lehrer extrem unterschiedlich ist. Dennoch denke ich, dass jeder etwas mitnehmen konnte und einige Grundlagen klarer wurden. Trotzdem ist auch klar, dass wir in 3 Wochen nicht den Stoff für mehrere Schuljahre bearbeiten können und es somit nur ein kleiner Beitrag ist. Deshalb hoffe ich, dass es bald möglich wird, weitere Workshops mit liberianischen Lehrern durchzuführen, da der Bedarf an Fortbildungen weiterhin  sehr groß ist.

Nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, dass wir einen wichtigen Beitrag geleistet haben, indem wir den Lehrern Wertschätzung für ihren Beruf und ihre Aufgabe entgegengebracht haben. Ich hoffe, dass sie dadurch ermutigt sind, sich weiter für die Kinder und das Bildungssystem einzusetzen, da in Liberia immer noch ein riesiger Aufbaubedarf vorhanden ist.

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