Die letzten Tage in Liberia: Alles geht einmal zu Ende…

Dies wird wohl (vorerst!) einer meiner letzten Blogeinträge  aus Liberia. Die Zeit vergeht wie im Fluge und morgen geht schon mein Flieger zurück nach Deutschland.

Diese Woche hat gleich am Montagabend mit einem Schrecken begonnen: Wilfred und ich haben uns über Visa-Anträge unterhalten (Afrikaner haben es deutlich schwerer und müssen ein Interview über sich ergehen lassen, weil man wohl fürchtet, dass sie nicht mehr zurückkommen) und dabei festgestellt, dass in meinem Pass ein Stempel für einen Aufenthalt von 30 Tagen drin ist. Allerdings war ich zu diesem Zeitpunkt schon 33 Tage in Liberia. Ein Telefonat hat uns dann bestätigt, dass ich trotz gültigem Visum für 3 Tage illegal im Land war, weil man eine Verlängerung durch die Einwanderungsbehörde braucht. Da waren wir zwar an meinem zweiten Tag auch gleich, aber es gab ein Kommunikationsproblem, weil sie uns sagten, dass man mit gültigem Visum nichts weiter zu tun braucht – keiner sagte aber irgendwas über den Stempel im Reisepass.

Langer Rede kurzer Sinn: Wenn wir es nicht bemerkt hätten und ich so zum Flughafen gegangen wäre, hätte ich große Probleme bekommen und sie hätten mir die Ausreise verweigern können oder ich hätte mindestens eine hohe Strafe zahlen müssen. So konnte Wilfred am Dienstag alles noch klären und wir mussten nur eine kleine Strafe für die 3 Tage bezahlen (Zum Glück hat er da einen Freund: das schützt war nicht vor Strafe, aber es beschleunigt die bürokratischen Prozesse ungemein 😉 ). Da bin ich Gott extrem dankbar, dass wir das „zufällig“ noch bemerkt haben. Somit dürfte meiner Heimreise nichts im Wege stehen 🙂

Was sonst noch geschah:

Montags waren wir an der Universität von Liberia. Der Campus für Natur- und Ingenieurwissenschaften liegt außerhalb Monrovias. Die Fahrt dauert zum Glück nicht lang, aber führt über nicht asphaltierte, sehr staubige und holperige Straßen. Die Vorstellung so allerdings 12 Stunden zu reisen, wie z.B. Eunices Tante, die uns besucht hat, ist schon etwas anstrengender. Der Campus wurde von den Chinesen gebaut und es gibt ziemlich neue Gebäude, insbesondere auch Schlafräume für die Studenten. Allerdings werden noch nicht viele verwendet. Ansonsten ist es eine normale Uni, mit dem Unterschied, dass es auch hier mit den Gerätschaften und Materialien sehr mau aussieht. Wir konnten leider nicht ins Physiklabor, aber ich hab einen Blick in einen Raum geworfen, der wohl ein Chemieraum war. Allerdings war das auch nur zu erahnen, da alles recht leer aussah. Ein weiterer Unterschied besteht noch darin, dass nicht alle Studenten unbedingt so jung sind wie an deutschen Unis, was daran liegt, dass Bildung von den finanziellen Mitteln abhängt. Manchmal haben sie das Geld ein Semester zu studieren, danach erst mal wieder nicht. So werden dann aus 3 Jahren leicht auch 5 oder mehr. Außerdem kostet auch schon die Schule Gebühren, sodass sich auch das noch hinziehen kann, wenn man überhaupt zur Schule gehen kann. Einige unserer Lehrer aus den Workshops haben auch noch ihren Unterricht an der Uni – einen haben wir dort auch getroffen.

Dienstag und Mittwoch bin ich in die Kochlehre für afrikanische Küche gegangen. Einmal gab es Fufu mit Pepper Soup. Pepper Soup dürfte klar werden, wenn man es einfach übersetzt: Pfeffersuppe, wobei mit Pfeffer immer die Schoten gemeint sind, die hier in jedes Gericht kommen. Fufu ist was Spezielles: Es hat eine recht zähe Konsistenz und man schluckt es ohne zu kauen. Klingt komisch, aber man gewöhnt sich dran 😀 Beim zweiten Kochversuch durfte ich dann noch „Potato Green“ lernen. Wenn man das übersetzt, heißt es „Kartoffelblätter“, was ich aber mal mit einem Fragezeichen versehe. Definitiv handelt es sich um Blätter, aber ich finde sie sind nicht so richtig ähnlich zu den Kartoffelpflanzen, die ich aus Opas Garten kenn. Was auch sehr schön ist, ist das rote Palmöl, das reichlich dazukommt. Falls ich die Zutaten in Deutschland alle finde, kann ich mal versuchen, was zu kochen 😉

Am Dienstag war abends das Champions League-Spiel zwischen dem FC Barcelona und Manchester City und da Fußball und speziell Barcelona hier sehr hoch im Kurs stehen, haben wir uns das natürlich angeschaut. Da hier – wie bereits erwähnt – nur wenige einen Fernseher besitzen, muss man zum Public Viewing gehen. Wir waren in einem Raum mit 3 Beamern, sodass ich auch noch Leverkusens Debakel parallel verfolgen konnte. Leider gab es überhaupt keine Durchlüftung in dem kleinen Raum, sodass es mehr eine Sauna war als Fußball schauen. Ich denke es sagt schon einiges aus, wenn einem die 25°C Außentemperatur in der Halbzeit kalt vorkommen. Am Ende waren wir komplett durchgeschwitzt, es lief einem ständig das Wasser runter und Wilfred hat in der Halbzeitpause aufgeben. Aber die Stimmung war gut, schließlich ist Barca hier eines der absolut beliebtesten Teams und sie konnten 2:0 gewinnen. Bei der Atmosphäre war es absolut vergleichbar mir einem WM-Public Viewing in Deutschland.

Der restliche, letzte Tag steht unter dem Motto Packen und Verabschiedung. Wilfred muss uns noch ein Taxi für morgen früh um halb 5 organisieren, was nicht ganz leicht ist und gegen Abend werden wir nochmal zu dem Haus seiner Mutter fahren und es kommt die große Verabschiedung.

Alle fragen mich jetzt schon, wann ich denn endlich wiederkomme und leider kann ich darauf keine gute Antwort geben, weil es erst mal in Deutschland einiges zu tun gibt, z.B. einen Master fertig zu machen. Aber ich bin guter Dinge, dass es nochmal klappt, einige der neuen Freunde und sehr netten Menschen wieder zu treffen – und das nicht erst im Himmel wie mir Martina heute versprochen hat 😉

Dafür darf ich jetzt erst mal meine Freunde und Familie in Deutschland wieder sehen. Da freu ich mich auch drauf. Allerdings werden wir da einiges noch verschieben müssen, weil es nächsten Mittwoch schon wieder weitergeht: Costa Rica ruft!

Bis dahin! Seid gesegnet!

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